Risikofaktoren für eine prolongierte Beatmung

#19 | 14.12.2023

Im neusten Briefing zeigt euch Fritz ein systematisches Review, das Faktoren aufzeigt, die ein Weaningversagen beeinflussen können und welche Risikofaktoren auf eine mögliche prolongierte Beatmung hinweisen können. Außerdem wird gezeigt, wie wichtig Assessment-Instrumente im pflegerischen Alltag sein können. Dies soll Pflegefachpersonen ermöglichen, diese Faktoren zu erheben und darauf zu reagieren. 
 
Viel Spaß mit dem neuen Briefing!

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Zusammengefasst von

Studien-Charakteristika

  • Autor:innen: Trudzinski, F., Neetz, B., Bornitz, F., Müller, M., Weis, A., Kronsteiner, D., et al.
  • Jahr: August 2022
  • Land: Deutschland
  • Design: Systematisches Review
  • DOI: DOI 10.1159/000525604

Was war das Ziel der Studie?

Es sollen Risikofaktoren für eine prolongierte maschinelle Beatmung (> 96h) identifiziert werden.

Warum ist das wichtig?

In der täglichen Versorgung beatmeter Patient:innen gilt es diese stets zu beobachten. Gezielte Assessments können helfen, bestimmte Bedarfe oder Risiken frühzeitig zu erkennen. Von großer Bedeutung ist es aber, ein Bewusstsein dafür zu haben, was überhaupt untersucht werden soll.

Warum hast du diese Studie gewählt?

Dieses systematische Review stellt Forschungsarbeiten aus 15 Jahren zusammen und reflektiert dabei, welche Einflussfaktoren auf die Beatmung wirken. Die Erkenntnisse sind von großer Bedeutung für Gesundheitsfachpersonen.

Erläuterung des Kernthemas

Immer mehr Menschen werden auf deutschen Intensivstationen beatmet, zuletzt über 400.000 Personen pro Jahr. Davon gerät mindestens jeder dritte einmal in ein Weaning-Versagen und 12 von 100 Patient:innen sterben. Die frühzeitige Identifizierung von Patient:innen, die möglicherweise eine prolongierte Beatmung benötigen, ist von zentraler Bedeutung, weil die Beatmung unzählige Risikofaktoren mit sich bringt (erhöhte Mortalität, Pneumonie, Organdysfunktionen, Fatigue u.v.m.)

Was wurde untersucht?

In 5 Datenbanken wurde eine systematische Literaturrecherche durchgeführt. Insgesamt konnten 23 Studien in die Übersichtsarbeit eingeschlossen und analysiert werden. Dabei wurde zwischen Risikofaktoren für eine prolongierte Beatmung und Risikofaktoren für ein Weaningversagen unterschieden.

Was wurde herausgefunden?

Risikofaktoren für eine prolongierte Beatmung (Auswahl)

  • Hohes Alter
  • Lange Beatmungsdauer vor dem ersten Spontanatemversuch
  • Hoher O2-Bedarf (> 0,4)
  • Hohe Druckniveaus (PEEP, PS)
  • Nierenversagen, veränderter pH

Wert Risikofaktoren für ein Weaningversagen (Auswahl)

  • Weibliches Geschlecht
  • BMI > 30
  • Alter > 74
  • Mangelernährung
  • Pneumonie
  • Zugrundeliegende COPD oder Heimbeatmung

Wie verlässlich sind die Ergebnisse?

Dieses systematische Review stellt Forschungsarbeiten aus 15 Jahren zusammen und reflektiert dabei, welche Einflussfaktoren auf die Beatmung wirken. Die Erkenntnisse sind von großer Bedeutung für Gesundheitsfachpersonen.

Wie lassen sich diese Ergebnisse für die Praxis nutzen?

  • Pflegefachpersonen arbeiten auf Intensivstationen am engsten mit den Patient:innen zusammen. Sie müssen ein Bewusstsein um diese Risikofaktoren haben und diese in ihrer täglichen Arbeit z.B. in Form von regelmäßigen Assessments oder in Weaning-Protokollen immer wieder prüfen.
  • Zudem ist es anzuraten, dass bei identifizierten Risikofaktoren zeitnah über diese kommuniziert wird und die Betroffenen entsprechende Gegenmaßnahmen erhalten.