Onkologische Patient:innen profitieren von zertifizierten Zentren

#18 | 30.11.2023

Im neusten Briefing zeigt euch Maria welchen Vorteil zertifizierte Zentren in der Behandlung von Patient:innen mit onkologischen Erkrankungen bringen. Die kontrollierte Kohortenstudie zeigt durch eine große Fallzahl aus verschiedenen Krebsentitäten gut, wie sich die Behandlung in zertifizierten Zentren positiv auf die Gesamtüberlebensrate der behandelten Patient:innen auswirkt. 
 
Viel Spaß mit dem neuen Briefing!

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Zusammengefasst von

Studien-Charakteristika

  • Autor:innen: Schmitt, Jochen; Klinkhammer-Schalke, Monika; Bierbaum, Veronika; Gerken, Michael; Bobeth, Christoph; Rößler, Martin; Dröge, Patrik; Ruhnke, Thomas; Günster, Christian; Kleihues-van Tol, Kees; Schoffer, Olaf
  • Jahr: September 2023
  • Land: Deutschland
  • Design: Kontrollierte Kohortenstudien für 11 Krebsentitäten
  • DOI: DOI 10.3238/arztebl.m2023.0169

Was war das Ziel der Studie?

Die WiZen-Studie untersuchte für 11 Krebserkrankungen die Wirkung der Erstbehandlung in Kliniken mit und ohne Zertifikat der DKG in Bezug auf das Gesamtüberleben. Die Ausgangshypothese war, dass die Erstbehandlung in zertifizierten Kliniken zu einem besseren Outcome für die Patient:innen führt.

Warum ist das wichtig?

Seit 2003 gibt es von der DKG zertifizierte Zentren, die sich auf die Behandlung von Krebserkrankungen spezialisiert haben. Diese zeichnen sich durch interdisziplinäre Zusammenarbeit, Umsetzung der entsprechenden onkologischen S3-Leitlinien und Behandlungsexpertise aus. In regelmäßigen Audits werden Leistungen und Qualität dieser Zentren von einer unabhängigen Zertifizierungsstelle (OnkoZert) kontrolliert. Bisher fehlte ein Nachweis zur Wirkung von Behandlungen in diesen zertifizierten Zentren.

Erläuterung des Kernthemas

Onkologische Patient:innen mit Erstbehandlung in Kliniken, die von der Deutschen Krebsgesellschaft (DKG) zertifiziert wurden, haben einen Überlebensvorteil gegenüber denjenigen, die sich in nichtzertifizierten Kliniken behandeln lassen. Das zeigt die WiZen-Studie (Wirksamkeit der Versorgung in onkologischen Zentren), die sich auf bundesweite Daten von AOK-Versicherten der Jahre 2009-2017 und auf Krebsregisterdaten stützt.

Was wurde untersucht?

Datengrundlage für diese kontrollierte Kohortenstudie waren bundesweite, pseudonymisierte GKV-Daten aller AOK-Versicherten für den Zeitraum 2006-2017 sowie pseudonymisierte Daten der Klinischen Krebsregister Brandenburg/Berlin, Dresden, Erfurt, Regensburg. In diese Studie wurden je Krebsentität zwischen 10.596 (Zervixkarzinom) und 172.901 Personen (Lungenkarzinom) eingeschlossen. Als Intervention galt die Erstbehandlung in einem DKG-zertifizierten Zentrum nach Diagnose einer Krebserkrankung. Patient:innen mit einer onkologischen Erstbehandlung in einer nicht-zertifizierten Klinik bildeten die Kontrollgruppe.

Für folgende Krebserkrankungen wurde die Wirkung der Erstbehandlung in Kliniken mit und ohne Zertifikat der DKG auf das Gesamtüberleben, das 1-/5-Jahresüberleben und die 30-Tage-Mortalität untersucht: Kolonkarzinom, Rektumkarzinom, Pankreaskarzinom, Mammakarzinom, Zervixkarzinom, Ovarialkarzinom, Endometriumkarzinom, Lungenkarzinom, Prostatakarzinom, neuroonkologische Tumore, Kopf-Hals-Malignome.

Was wurde herausgefunden?

Für alle untersuchten Krebserkrankungen zeigte sich ein Vorteil im Gesamtüberleben bei Erstbehandlung in DKG-zertifizierten Kliniken zwischen 3% (Lungenkarzinom) – 23% (Mammakarzinom) im Vergleich mit Erstbehandlung in nicht-zertifizierten Kliniken.

Bei Kliniken, die schon länger zertifiziert waren, war der Überlebensvorteil tendenziell größer.

Bei Darmkrebs waren die Behandlungskosten in zertifizierten Kliniken niedriger.

Die WiZen-Studie zeigte, dass die Mehrzahl der onkologischen Erstbehandlungen (außer beim Mammakarzinom) in nicht-zertifizierten Kliniken stattfanden.

Wie verlässlich sind die Ergebnisse?

Aufgrund der großen Fallzahl und der Konsistenz der Ergebnisse über die unterschiedlichen Krebsentitäten hinweg, bewerten die Autor:innen die Ergebnisse als verlässlich. Es gibt deutliche Hinweise auf einen kausalen Zusammenhang zwischen dem Gesamtüberleben onkologischer Patient:innen und der Erstbehandlung in einem zertifizierten Zentrum. Eine potenzielle Verzerrung der Ergebnisse durch die fehlende Randomisierung kann nicht ausgeschlossen werden.

Wie lassen sich diese Ergebnisse für die Praxis nutzen?

  • Die Erstbehandlung von Krebserkrankungen sollte in DKG-zertifizierten Zentren stattfinden.
  • Einweisende Ärzt:innen sollten ihre onkologischen Patient:innen in zertifizierte Zentren einweisen.
  • Onkologische Patient:innen sollten über die Vorteile einer Behandlung in zertifizierten Zentren informiert werden.
  • In Zukunft könnte die DKG-Zertifizierung eine Voraussetzung für die Abrechnung von onkologischen Versorgungsleistungen sein.