Auswirkung motivierender Gesprächsführung auf die Krankheitswahrnehmung bei stabiler koronarer Herzkrankheit

#22 | 08.02.2024

Im neusten Briefing stellt euch Florian eine Studie vor, die zeigt, inwieweit eine motivationale Gesprächsführung Auswirkung auf das Gesundheitserleben bei KHK haben kann. Auf der einen Seite bildet sie dabei gut ab, welchen Wert eine gezielte Beratung für die Gesundheit haben kann und auf der anderen Seite bietet die Studie ein gutes Beispiel dafür, wie man pflegerische Maßnahmen beforschen und so evidenzbasiert gestalten kann.
Viel Spaß mit dem neuen Briefing!

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Zusammengefasst von

Studien-Charakteristika

  • Autor:innen: Mülhauser, Bonhôte Börner, Saner, Zumstein-Shaha
  • Jahr: 2018
  • Land: Schweiz
  • Design: RCT
  • DOI: DOI 10.1024/1012-5302/a000595

Was war das Ziel der Studie?

Durch die Studie sollte herausgefunden werden, ob eine Intervention durch motivierende Gesprächsführung (MI) bei Menschen mit Koronarer Herzkrankheit (KHK)die Krankheitswahrnehmung positiv beeinflussen kann.

Warum ist das wichtig?

Die koronare Herzerkrankung ist weltweit die Todesursache Nummer 1. Besonders betroffen sind Menschen über 60. Oft ist ein ungesunder Lebensstil verantwortlich für die Verschlechterung oder das Auftreten der Erkrankung. Dies macht die Veränderung des Lebensstils zu einem wichtigen Anteil der Therapie. Diese Art der Sekundärprävention soll die Lebensqualität erhöhen, ein Auftreten von Myokardinfarkten oder einer Herzinsuffizienz verhindern und die Sterblichkeit der Betroffenen reduzieren. Die Betroffenen haben jedoch oft ein unzureichendes Gesundheitsbewusstsein. Dieser Umstand verhindert eine Veränderung des Lebensstils. Die motivierende Gesprächsführung ist in diesem Rahmen dazu in der Lage, Beratung zum Gesundheitsverhalten, Wissen und Motivation zu vermitteln.

Warum hast du diese Studie gewählt?

Auf der einen Seite zeigt die Studie gut, wie Pflegefachkräfte durch Beratung das Gesundheitsverhalten ändern können und so Einfluss auf die Gesundheit, das Krankheitserleben und später das Outcome aus einer Krankheit nehmen. Auf der anderen Seite ist diese Studie ein gutes Beispiel, wie man Pflegemaßnahmen wissenschaftlich belegen kann. Diese Evidenz kann dazu beitragen, dass pflegerische Maßnahmen in der Behandlung eine bessere Beachtung finden.

Was wurde untersucht?

Es wurde eine unizentrische, prospektive, randomisiert-kontrollierte Studie durchgeführt. Probanden waren Menschen zwischen 18 und 80 mit stabiler KHK nach Erst-Koronarangiografie, die sich in einem kardiologischen Rehabilitationsprogramm befanden. Es fanden sich insgesamt 312 Probanden, davon waren 164 in der Kontrollgruppe und 148 in der Interventionsgruppe. Als Intervention wurde ein einmaliges Informationsgespräch in Form des MI durch darin geschulte Pflegefachkräfte durchgeführt. Die Kontrollgruppe erhielt die Standardbetreuung, in denen Betroffene Informationen nur aus eigenem Antrieb bekamen. Zur Kontrolle der Krankheitswahrnehmung wurde der Illnes Perception Questionnaire Revised in seiner Kurzform verwendet.

Was wurde herausgefunden?

Die Gesundheitswahrnehmung unterscheidet sich in der ersten Erhebung zwischen den beiden Gruppen nicht. Die Betroffenen befinden sich im mittleren bis niedrigen Bereich. Auch in der zweiten Erhebung befinden sich beide Gruppen im niedrigen bis mittleren Bereich und in der Gesundheitswahrnehmung finden sich keine signifikanten Unterschiede. Wo sich diese allerdings finden, ist die emotionale Repräsentation. Die Probanden aus der Interventionsgruppe sind in der Lage, Gefühle wie Angst, Depression und Unruhe mit der Krankheit in Verbindung zu bringen und sind deutlich weniger ängstlich im Vergleich zu den Probanden aus der Kontrollgruppe.

Wie verlässlich sind die Ergebnisse?

Die Form der RCT hat einen hohen wissenschaftlichen Standard. Es erfolgt zudem eine umfassende Beschreibung des Vorgehens. Es wurde zudem zu Beginn eine Power-Analyse durchgeführt, wodurch die Anzahl der Probanden festgelegt wurde. Es finden sich lediglich Schwächen in der Randomisierung. Diese Schwäche wurde von den Autor:innen jedoch deutlich kommuniziert und begründet. Die Studie ist demnach sehr verlässlich.

Wie lassen sich diese Ergebnisse für die Praxis nutzen?

  • Die Studie kann als Vorlage für weitere Untersuchungen genutzt werden. Es könnte beispielsweise eine andere Form der Beratung gewählt werden, um zu schauen, ob dadurch ein besseres Ergebnis erzielt werden kann. 
  • Die Studie kann fortgeführt werden. So könnte untersucht werden, ob ein Wiederholen des MI den Einfluss auf die Krankheitswahrnehmung verändert.
  • Der positive Einfluss auf die emotionale Repräsentativität der KHK kann gezielt bei potenziellen Angstpatienten genutzt werden. So könnten besonders von Angst betroffene Patient:innen das MI erhalten, um besser mit ihrer Erkrankung umgehen zu können.
  • Die Studie kann durch ihre saubere Beschreibung gut als Beispiel für Auszubildende und Studierende genutzt werden. Es kann daran gezeigt werden, wie eine RCT aufgebaut und durchgeführt wird.